Reinigung

Es gibt doch dieses Sprichwort mit dem geteilten Leid.  Wenn ich mir ansehe, was manchen Bevölkerungsgruppen widerfährt, frage ich mich, ob an diesem Spruch etwas dran ist. Wie sonst ist es möglich, dass diese Vielzahl an Leid sich nicht multipliziert zu einer Explosion, einem Aufstand, einer Rebellion, die der Ungerechtigkeit ein Ende setzt? Ist es tatsächlich so, dass dieses ganze Leid, getragen von so vielen, dadurch weniger wird? Was vermag Resignation abzustumpfen? Das Fühlen, die Würde?

Neulich wurde mir die Praxis des “Cleansing” erklärt. Wenn ein Mann stirbt, wird dessen Frau nach der Beerdigung von männlichen Verwandten des Toten “gereinigt”. Sie muss wieder und wieder mit ihnen schlafen – nein, wird vergewaltigt, wieder und wieder, damit sich der Geist des Verstorbenen von ihr löst. Ein Nein ist unmöglich. Weglaufen ist unmöglich, es gibt kein Wohin. Die einzige Rettung ist die Ehe mit einem der Vergewaltiger. Dann vergewaltigt sie nur noch einer.

3 Kommentare zu „Reinigung

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