3 Mangos

Ich besuche ein Flüchtlingscamp im Westen Sambias. Menschen aus dem Kongo und Angola leben hier, teilweise schon seit einem halben Jahrhundert. Das Camp sieht gar nicht wie ein Camp aus sondern wie ein ganz normales Dorf. Es gibt einen kleinen Marktplatz, winzige Läden, die Waschpulver, Salz, Öl, und Krimskams verkaufen, Schuhhändler mit FlipFlops in sämtlichen Farben, auf dem Boden liegen Haufen von Second Hand Kleidung mit Schalke 04 und Dubai Emirates Aufdrucken. An jeder Ecke eine andere Musikanlage im Wettstreit mit der gegenüber, eine unglaubliche Kakophonie, die den Jugendlichen, die in Trauben um die Verstärker hängen, zu gefallen scheint.

Viele Menschen leben hier mittlerweile, daher hat die Regierung beschlossen, die Situation ein bisschen zu entzerren und die Leute auf´s Umland zu verteilen. Im Umkreis von 20 km werden Parzellen von 5 000 m² abgesteckt, kleine Häuschen drauf gestellt und alle paar hundert Meter ein Bohrloch für Wasser gebohrt. Irgendwann sollen auch Schulen und Kliniken gebaut werden, aber das dauert wohl noch etwas. Noch ist kaum jemand dorthin gezogen, freiwillig zieht es niemanden in den Busch.

Auf einer der Parzellen jedoch lebt eine alte Frau. Vor ihrem Häuschen steht ein Zelt der Flüchtlingsorganisation, in dem sie seit über einem Jahr lebt. Nächsten Monat soll sie das Zelt endlich zurückgeben und in ihr Haus ziehen, erzählt sie uns, wie soll sie das bloss machen, das Haus hat weder Tür noch Fenster. Sie zeigt uns ihren Vorratsspeicher, eine kleine runde Hütte aus Riedgras, die als Schutz gegen Tiere auf Stelzen steht. Wir schauen hinein, 4 Säcke mit Mais und ein paar lose Maiskolben liegen darin. Wie lange das reicht, frage ich, reicht das bis zur nächsten Ernte? Sie nickt, erzählt auch von ihren Enkelkindern, die am Wochenende manchmal zu ihr kommen, und dann auch mit essen. Ich schlucke. Bis zur nächsten Ernte sind es noch 6 Monate, der Mais ist noch nicht einmal gesät. Auf einer kleinen Parzelle stehen ein paar mickrige Maniokpflanzen, etwas weiter entfernt zwei Mangobäume mit unreifen Früchten. Ich hebe eine vom Boden auf und beisse ein Stückchen ab. Angenehm sauer. Sie schenkt mir noch zwei und freut sich, als ich mich bedanke.

Der Rest des Landes liegt brach, die ursprüngliche Vegetation, ein lichter Wald, von der Flüchtlingsorganisation gerodet. Trostlos.

Wir verabschieden uns. Ich schaue mich beim Fortfahren noch einmal nach ihr um. Sie hockt vor ihrem Häuschen ohne Tür und Fenster und guckt in die Ferne.

Ein Kommentar zu „3 Mangos

  1. Merkel und Co.: Wir müssen die Ursachen der Fluchtbewegung vor Ort beseitigen.
    Was sind aber die Ursachen? Der real existierende Kapitalismus? Die Ignoranz der „Weiterseienden“? Oder???

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