Supermarktmeditation

Ich bin im Supermarkt und moechte bezahlen. Warteschlangen vor allen zehn Kassen. Heute war Zahltag, da geht jeder einkaufen. Ich waehle die kuerzeste Schlange. Ein Fehler, den ich immer wieder begehe. Die Schlange ist deshalb so kurz, weil andere laengst entnervt aufgegeben und sich woanders angestellt haben. Ich warte und betrachte die Kassiererin dabei, wie sie mit faszinierender Langsamkeit die Waren einscannt, Geldscheine glatt zieht, zaehlt, sich verzaehlt, nochmal zaehlt und anschliessend alles liebevoll einzeln in Plastiktueten packt. Ich uebe mich in Geduld. Ueber mir schwebt eine Wolke aus langem Ommmmm, die sich langsam zur Gewitterwolke entwickelt. Ommmmmmm. Oder Gewitter. Ommmm, oder Gewitter….Ich sehe es als Uebung zu persoenlicher Reife. Ommmmm. Das Gewitter braut sich bedrohlich zusammen, erste Blitze erscheinen, die das Ommmm noch in Zaum haelt, kurz davor, zu zerreissen. Jetzt, ich bin an der Reihe! Die Kassiererin wendet sich mir zu, mit einem langsamen, breiten Laecheln. “hallo, wie geht es Ihnen”? ich laechele “Danke, gut, und Ihnen” und schicke das Gewitter ins Nirvana.

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