Spaziergang in Pyongyang

Ich bin eben zu Fuss ins Büro gelaufen, knappe halbe Stunde. Ist ein total komisches Gefühl, ich bin da und doch nicht da. hmm, wie 2 Aquarien nebeneinander, nee auchnicht. wie ein Geist, den niemand wahrnimmt und der auch keinen Kontakt aufnehmen kann. Ab und zu guckt schon mal einer, aber immer nur kurz. Dann wieder fahren die Fahrraeder ganz nah an einem vorbei und streifen einen fast, als würden sie einen nicht sehen. An einer Ecke stehen Strassenhändlerinnen, eine kommt auf mich zu, spricht mich an aber guckt durch mich durch, sie hat mit einer Person hinter mir gesprochen, aber mich dabei angeguckt.

Auf dem Rückweg bin ich fast mit einem Fahrrad kollidiert, es kam von hinten und streifte mich diesmal tatsächlich, der Fahrer schaute sich nicht mal um. Ich war vor Schreck stehengeblieben und murmelte ein „aber sonst geht’s noch“, da drehte sich die Frau auf dem Gepäckträger um, lachte, ich lachte etwas schief zurück, sie sagte was zu dem Fahrer, nun drehte auch er sich um und grinste. Alles in Ordnung. Aber eigentlich bin ich nicht zu übersehen und auch von hinten eindeutig als ausländisch erkennbar. Merkwürdig. Oder bin ich doch ein Gespenst in dieser Gesellschaft? Oder hat das was mit selektiver Wahrnehmung zu tun, was nicht sein darf, das sieht man nicht? Ausländer haben hier nichts zu suchen, also sehen wir sie nicht? Bin ich eine Art Fata Morgana?

Ich überquere eine grosse Kreuzung, mitten in der Stadt. Es herrscht reger Verkehr. Fußgängerverkehr, Sofas werden durch die Gegend getragen, gebückte Menschen eilen mit grossen Bündeln auf dem Rücken irgendwohin, ein alter Mann sucht Zigarettenstummel, Handkarren holpern auf Metallrädern über das Pflaster, dann und wann rumpelt ein zum Platzen vollbesetzter Bus an einer Oberleitung die Strasse lang, den ich leicht zu Fuß überhole.

An den Imbissständen werden Suesskartoffeln verkauft, die dann aus der blossen Hand gegessen werden, die Schalen landen auf dem Boden. Anscheinend gibt es zur Zeit genug zu essen,  anders kann ich mir diese Verschwendung nicht erklären. Vielleicht sollte ich ein Kartoffelmonitoring einführen – liegen Schalen um die Imbissstände herum, geht’s den Leuten gut, liegen keine herum, geht’s den Leuten nicht mehr so gut, sind die Imbissstände geschlossen, geht´s den Leuten beschissen.

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