Sonntag in Mongu

Ich sitze den ganzen Sonntag auf meinem Sofa. Blick auf den Holzfisch, das grob geschnitzte Vogelmobile, das schiefe Bild an der Wand, meine Yogamatte und zwei Wasserflaschen daneben, die mir als Hanteln dienen. Um die Ecke steht ein Tisch mit drei Stuehlen, im Schlafzimmer ein Bett, alle anderen Zimmer sind leer. Die Waende in beige getuencht, die Fliesen hellbraun. Draussen pfeift der Waechter. Ich gehe den ganzen Tag nicht raus. Eigentlich muesste ich was aus dem Auto holen, habe aber keine Lust dazu. Sobald ich aus dem Haus in Richtung Auto gehe, kommt der Waechter angerannt, um das Tor zu oeffnen. Ich habe keine Lust heute, irgend jemandem zu sagen, was er tun soll. Oder lassen. Ich will einfach nur meine Ruhe. Das ist jetzt nicht irgendwie depressiv, sondern nur muede. Gestern musste ich wieder vor der Nachbarin fliehen, die sich nach den ersten freundlichen Worten als Zeugin Jehovas entpuppt hat und mich nun missionieren will. Jeden Samstag um 16 Uhr. Um halb vier setze ich mich ins Auto um abzuhauen. Der Waechter erinnert mich an meinen Missionstermin. Ich heuchle Bestuerzung – ach, das habe ich ganz vergessen, was mach ich denn nun, das tut mir aber leid. Ich fahre los und sehe im Rueckspiegel gerade noch meine Missionarin mit der Bibel im Anmarsch. Als Antidot kaufe ich einen Kasten Bier. Das ist jetzt kalt. Prost.

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